Ein heißer Abend mit Tango-Musik

Hoisdorf, 11.06.17 – Ein heißer Abend sollte es werden, mit Tango-Rhythmen und Melodien aus Brasilien, Spanien und dem lateinamerikanischen Raum, versprach Katharina Maria Kagel. Das wurde er allemal! Was sie nicht voraussehen konnte, war das Wetter, es war heiß in Hoisdorf an diesem Abend! Die Klimaanlage in dem neu hergerichteten historischen Saal des Landhaus Hoisdorf schaffte es einfach nicht und so öffnete man doch Seitentüren und Fenster, um Frischluft hereinzulassen, bevor Musiker und Publikum dahin? ?schmelzen mussten. Eine frische Brise nach einem kurz einsetzenden Regenschauer rettete die Situation.

Die Opernsängerin Katharina Maria Kagel hat sich Musiker herangeholt, die nicht nur mit Professionalität, sondern auch mit Begeisterung und Schwung den Tango rüberbringen und mit denen will sie nun den „kühlen Norden“, wie sie sagt, begeistern und mit seinen Melodien anheizen.

Das Tango-Ensemble: Karolina Trojok, Piano, Katharina Maria Kagel, Gesang und Moderation, André Boettcher, Violine, Jurij Kandelja, Bajan

Gleich zu Beginn stellte sie ihr Quartett vor mit Karolina Trojok am Klavier, André Boettcher an der Geige und Jurij Kandelja mit dem Bajan und dem kraftvollen Stück „Oblivion“ von Astor Piazzolla. Der argentinische Komponist blieb im ersten Teil bis zur Pause auch weiterhin im Programm mit dem „Libertango“, dem „Freiheits-Tango“, wie Kagel in ihrer Moderation erklärte und einem „Ave Maria“, das von ihr vorgetragen und gefühlvoll von den drei Instrumentalisten begleitet wurde.

Die instrumentale Zusammensetzung des Ensembles hebt den besonderen Klang der Tango-Musik Piazzollas hervor. Dieser hat mit seinen Kompositionen den „Tango Nuevo“ begründet, den neuen Tango, einer Weiterentwicklung des traditionellen Tangos. Es ist Musik zum Zuhören, wobei die Spieltechnik, sowohl der Violine mit Bogenschlägen, stechende Streicherakzente in hoher Lage, als auch virtuose Bandeonläufe auf dem Akkordeon den Klängen eine neue Note geben, den traditionellen Stil des Tango aber erhalten. Der spezifische Klang des Bandeons wird von dem Ensemble dargestellt mit einem Knopfakkordeon, dem Bajan.

Katharina Maria Kagel nahm ihr Publikum mit auf eine Reise ins Tango-Land

Kagel nahm ihr Publikum mit auf eine musikalische Reise! Gerade von einem Auftritt in Spanien zurückgekehrt, leitete sie deutlich auch die Inspiration hieraus auf ihre Gäste weiter. Sie unterhielt mit einer sehr interessanten Moderation. Entzückend auch ihr neues Abendkleid, das sie aus Sevilla mitbrachte und sich für diesen Abend aussuchte. Die Arie „Draußen am Wall von Sevilla“ aus Carmen war denn auch gleich das zweite Stück, gefolgt später dann von „The Girl von Ipanema“ und vor der Pause dem ganz deutschen „O donna clara“, das nach ihrer Vorstellung eben Tango ist und deshalb ins Programm aufgenommen wurde.

André Boettcher, Violine und Jurij Kandelja, Bajan

Instrumental wurde der erste Teil bereichert mit dem „Bolero“ einem spanischen Tanz gespielt mit Violine und Piano, einem Tango-Potpourri mit „El Choclo“, Cumpasita und dem „Kriminal Tango“ mit Violine und Bajan und ein Solo auf dem Bajan mit „Blühender Mai“, den Titel Kagel ankündigte mit „Blühender Tango in Hoisdorf“. Das man mit einem Instrument wie dem klangvoluminösen Bajan auch Flüstern kann, stellte Jurij Kandelja eindrucksvoll unter Beweis. Einen „feurigen Rausschmeißer“, so Kagel in der Ankündigung, präsentierten die drei Instrumentalisten mit „Tico Tico“.

Nach einer Pause, in der das Landhaus Hoisdorf Getränke und Tapas anbot, überraschte das Quartett mit sehr anspruchsvollen Stücken, die ihr ganzes Können herausforderten und sie zu einer ansehnlichen musikalischen Größe wachsen ließ: Einem „Sonnenaufgang“ komponiert und arrangiert von Jurij Kandelja und dem „Nimrod in b-dur“ aus den Enigma-Variationen von dem britischen Komponisten Edvard Elgar. Kagel brillierte mit der kunstvollen Darbietung des Stücks, das eigentlich ein Orchesterstück ist, aber für den Gesang umgeschrieben wurde und mit Vokalisen, mit Vokalen ausgefüllten Tönen, gesungen wird, im lateinamerikanischen Raum weit verbreitet. Höhepunkt der „Trilogie“ der „Tango pour Claude“, einem Stück von dem weltbekannten Jazzspieler Richard Galliano. Karolina Trojok, André Böttcher und Jurij Kandelja glänzten in feuerigem Zusammenspiel und dem sich gegenseitig zuleitenden Passagen.

Jurij Kandelja mit dem Bajan, einem Knopfakkordeon

Nachdem Kagel in der mittlerweile „blauen Stunde“ zum „atemlosen Küssen“ mit „Besa me mucho“ aufforderte – Publikum blieb gelassen „norddeutsch“ – ging es zu „unseren gefiederten Freunden“: Jurij Kandelja präsentierte auf seinem Bajan zwei recht amüsante eigene Kompositionen in „El pollo Ricardo“ und „im Hühnerhof“, in denen er in Anlehnung zu den Erlebnissen seiner Kindheit auf dem elterlichen Bauernhof, vom Ränkespiel der Hühner und des Hahns phantasiert. André Boettcher brachte mit seiner Geige und einem abschließenden Nachahmen ihres Gesangs das zu Gehör, was wohl eine eine Lerche bei ihrer Rückkehr aus dem Süden aus der Höhe beobachtet. Auch mit diesem Stück zeigte er die Vielfalt von Klängen, die mit einer Geige zu spielen sind. Karolina Trojok stärkte ihn mit ihrer Klavierbegleitung und Jurij Kandelja vermittelte mit einigen Tönen zum Schluss eine Atmosphäre im Wald. Hier spürte man, dass das Publikum die „Reise“ genoss und sich mit lang anhaltendem Applaus bedankte.

André Boettcher begleitet Katharina Maria Kagel mit der Violine

Danach wurde es fast melancholisch. Katharina Maria Kagel intonierte das „Hör ich Cymballklänge“ aus Franz Lehárs „Zigeunerliebe und machte das „geliebte Ungarland“ zum „geliebten Holsteinland“. Nachdem sie dem Publikum mit „Sway“ einmal das Gefühl der Schwerelosigkeit und des Davonschwebens vermittelte, endete der Abend mit einem Liebeslied, dem Soundtrack aus dem Film „Un homme et une Femme“ 1966 von Claude Lelouch. Lang anhaltender und frenetischer Applaus forderten eine Zugabe heraus, die Katharina und ihr Ensemble mit der rührenden Darbietung von „Don´t cry for me Argentina“ erfüllten.

Das nächste Konzert mit dieser Besetzung wird am 24. August im Rosenhof in Großhansdorf stattfinden: „Spanischer Abend – temperamentvolles Konzert und Tapas“

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